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Cyber-Maginot Line ?

Cyber-Maginot Line ? 626 634 digiVolution

Nach einer Pause freuen wir uns, Ihnen unsere 101. dV-News (10-2024) mit einer Auswahl an Artikeln und Links  zukommen zu lassen.

Die Lehren aus der Geschichte der Maginot-Linie

Die Überlegungen zu dieser 101. Ausgabe wurden durch die Lektüre eines Artikels über die Maginot-Linie angeregt. Die in den 1930er Jahren von Frankreich errichtete Festungslinie sollte das Land vor einer deutschen Invasion schützen. Sie erstreckte sich über rund 700 km von der Schweizer Grenze bis nach Belgien und bestand aus einer Reihe von Festungen und Hindernissen, die jeden Angreifer abhalten sollten und die auf Lehren aus dem Ersten Weltkrieg basierten.

1940 umging die Wehrmacht diese Verteidigungslinie, indem sie in Belgien einmarschierte und die Ardennen durchquerte, ein Gebiet, das die französischen Strategen als unpassierbar für Panzer erachteten. Obwohl Frankreich glaubte, über die beste Armee zu verfügen, kapitulierte es innerhalb von sechs Wochen. Die Maginot-Linie, das Symbol einer statischen Strategie, erwies sich als nutzlos.

Der Ritter in Rüstung im Bild unten widerspiegelt diesen anhaltenden Glauben an die Stärke einer Festung, die von einem «Eisernen Wächter» beschützt wird. Das Buch von Cohen & Gooch, «Military Misfortunes – The Anatomy of Failure in War», erinnert an einige der grössten Fehlschläge von Verteidigungsstrategien, die auf ungeeigneten und/oder veralteten Konzepten basieren. Die Maginot-Linie war ein Desaster, das von einem französischen Oberkommando zu verantworten war, das nicht auf die Warnungen seiner Nachrichtendienste hören wollte, die eigentlich richtig lagen.

In jedem unserer Posts berichten wir über Fakten, die zusammengenommen zeigen, dass wir im Cybersicherheitsbereich dazu tendieren, gegen die Wand zu fahren. Dies ist auch die Botschaft, die viele namhaften Experten vermitteln. Unsere Verteidigung im Cyberraum ähnelt jenes Frankreichs im Jahr 1940: Eine statische Linie und ein Management, das beharrlich Warnungen ignoriert, während die Beschleunigung der technologischen Entwicklungen durch KI und mit Quantencomputer noch verschärft wird. Und ja, das kostet.

Unsere Empfehlung ist einfach: Wir müssen das «Maginot-Syndrom» überwinden und DIE SICHERHEIT DER GESELLSCHAFT IM ZEITALTER DER DIGITALEN MUTATION NEU DENKEN.

Angesichts der vielen Variablen, die in die Gleichung einfliessen, muss diese Erkenntnis auf der Ebene der Sicherheitspolitik des Staates und der Unternehmen erfolgen, nicht auf der Ebene der Technik, die ein Mittel und kein Ziel an sich ist. Wenn man von Cyber spricht, darf man nicht mehr an «Informatik», sondern «geschäftlich und systemisch» denken. Ist damit ein Konzept wie das israelische  Cyber Dome eine gangbare Antwort oder ein hoffnungsloser Versuch in einer aussichtslosen Zermürbungslogik?

Man kann Elon Musk mögen oder nicht, aber er ist sicherlich einer der am besten informierten Menschen in diesen Fragen. Wenn er davon spricht, dass die KI schneller und schlauer als der Mensch werden könnte, wäre es nicht sinnvoll, die Tragweite dieser Veränderung zu studieren?

Bleiben wir aber fair gegen-über der Schweiz, denn an diesen Fragen wird gearbeitet. Im Vergleich zu den Herausforderungen der digitalen Mutation (siehe die Rubrik AKTUELLES) sind wir jedoch zu langsam und mit unzureichenden Ressourcen.

Musk sagt ausserdem, dass die Fortschritte in der KI  früher durch die Verfügbarkeit von Chips begrenzt waren, heute allerdings  durch den  Stromverfügbarkeit. Hat die Schweizer Energiestrategie 2050 die Unersättlichkeit der KI vorhergesehen?

All dies suggeriert durch Betonmauern, die vor fast 100 Jahren errichtet wurden!


Bitte denken Sie daran, unsere Arbeit zu unterstützen.


BOOKS & REPORTS

Dies ist eine Liste relevanter Bücher und Publikationen, auf die wir bei unseren Recher-chen der letzten Wochen gestossen sind. Sie finden sie auf dVPedia unter dVLibrary.

NEWS

XPLAIN – So… die Berichte wurden veröffentlicht. Schliessen wir dieses Traktandum. Wirklich? Das grösste Risiko besteht nun darin, den Fall zu ad Acta zu legen, obwohl die Fakten ernst und beunruhigend sind und potenziell alle Organisationen und Unternehmen betreffen: Die Mängel betreffen Prozesse, Technik und Menschen. Der Bericht zeigt auf, wie wenig der Begriff «Sicherheit der Lieferkette» verstanden wird, wie sehr die Bedrohungen unterschätzt werden und dass die Sicherheitsmassnahmen generell unzureichend sind. Und blindes Vertrauen ist keine Cybersicherheitsstrategie.

BACS (Bundesamt für Cybersicherheit) – Liebe Leserinnen und Leser, lesen Sie bitte das einleitende Kapitel der neuen Strategie des BACS. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Cybersicherheit in unserem Land ist KATASTROPHAL Danke an das BACS für seine Offenheit. Wie die halbjährlichen Zahlen zeigen, verschlechtert sich die Situation sogar kontinuierlich. • Unsere Fähigkeit (Staat, Unternehmen, Privatpersonen), sich an den technologischen Wandel anzupassen, ist geringer als die der Cyberbösewichte. • Wie im Fall XPLAIN gezeigt, schwankt die Schweiz zwischen «Ungehorsam» und «Inkompetenz».   • Obwohl der Cyberraum zusammen mit der Stromversorgung die beiden vitalen Elemente unserer digitalen Gesellschaft darstellen, sind die Ressourcen zu deren Schutz noch immer völlig unzureichend (inkl. im BACS; siehe unseren Newsletter 94). Wie hoch muss der Schaden sein, damit die Schweiz die Herausforderungen erkennt und ihnen gewachsen ist?

Morane – Wie Sébastien Fanti schrieb: «Erschüttert sein. Schreien. Den Schaum vor dem Mund haben. Gegen die Autoren. Gegen die, die nichts tun. Oder so wenig».  Wie konnte es so weit kommen, dass sich eine junge Frau aufgrund von Belästigung das Leben nimmt? Einfach durch Nachlässigkeit, weil unsere Gesellschaft nicht stark genug eingreifen will, um solche Taten zu stoppen. Ja, Belästigung ist tödlich und Romane ist nicht die Einzige! Ein weiteres Beispiel, das die Diskrepanz zwischen den kriminellen Praktiken und den Reaktionen der Gesellschaft aufzeigt. Schützen wir unsere Kinder und unterstützen wir die Morane Assoziation! 

O sole mio! – Im Rahmen des ganzheitlichen und systemischen Ansatzes von digiVolution werden die Risiken von Sonnenstürmen immer wieder thematisiert. Nachdem wir uns über das Schauspiel der bo-realen Aurora bewundert haben, ist es höchste Zeit, über die Risiken zu sprechen, die mit diesem Phänomen verbunden sind. Glücklicherweise haben die Medien damit begonnen. Aber was kommt danach? Denn die Folgen könnten für unsere Zivilisation, die auf ihre IT-Infrastruktur und Elektrizität angewiesen ist, verheerend sein. Werden Massnahmen ergriffen?  Welche? Wo?

Aurora borealis, Mont Vully, 11.05.2024 – Courtesy Isabel Streit – https://isasastroatelier.ch/

Das war’s für diese 101. Ausgabe. Wir hoffen, dass Sie wieder inspiriert wurden. Wir wünschen Ihnen viele lehrreiche Erkenntnisse mit den ausgewählten Artikeln und Links (eine lange Liste für einen ganzen abgelaufenen Monat) und sehen uns in zwei Wochen wieder.


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100!

100! 580 435 digiVolution

Liebe Leserinnen und Leser

Die Stiftung digiVolution ist am 4. Dezember 2020 entstanden. Am 4. Januar 2021 wurde die 0-Nummer des Newsletters veröffentlicht, um dessen Ziele anzukündigen, und am 8. Januar erschien die Nr. 1, in einer Welt, die verblüfft die Erstürmung des Kapitols in Washington realisierte. Am 1. April 2021 begann die konkrete Arbeit der Stiftung. Ab dem Newsletter 27 wurde der anfänglich «verrückte» einwöchige Rhythmus auf zwei Wochen umgestellt. Und heute, am 26. April 2024, feiern wir bereits die 100. dV-News (09-2024) mit der inzwischen traditionellen Auswahl an Artikeln und Links.

Jede Ausgabe erfordert inklusiv Publikation auf den Kanälen Website, LinkedIn und dVPedia knapp 4 Arbeitstage. Dabei werden regelmässig ca. 900 Mitteilungen analysiert, die jeweils in mehreren Dutzend Informationen, Artikeln, Berichten und Büchern resultieren. Seit Herbst 2022 wird auch die Rubrik dVTopics in unserer Cybersuite dVPedia genutzt, die in Echtzeit alle gewählten offenen Quellen scannt.

Die Medien sind voll von qualitativ hochwertigen Informationen über Cyberangriffe, Schwachstellen usw. Unser Ziel ist es allerdings nicht, diese Akteure zu konkurrenzieren, sondern dazu beizutragen, dass die Entscheidungsträger, die uns folgen, (besser) informierte Akteure in Bezug auf die digitale Mutation werden und zu diesem Zweck den Beobachtungs- und Untersuchungsradius erweitern [link]. Ein holistischer Ansatz ist in der Tat zwingend nötig und unser Anspruch ist es – wie in der Informationspyramide unten dargestellt – mit einem systemischen Verständnis der Herausforderungen der digitalen Mutation zum Wissen beizutragen.

Unser Newsletter ist das Ergebnis eines rigorosen, langfristigen Prozesses, der darauf abzielt, wichtige Entwicklungen zu verstehen, zu hinterfragen und darauf aufmerksam zu machen. Es soll ein strategisches Bild entstehen und nicht einfach nur eine Aufzählung der technisch / taktischen Vorfälle des Alltags bilden.

Ist uns dies gelungen? Ja, wenn man die vielen positiven Reaktionen und Kommentare betrachtet, die wir erhalten haben. Nein, wenn man bedenkt, dass wir trotz der Arbeit, die nun von mehreren tausend Menschen gelesen wird, immer wieder das Gleiche wiederholen müssen. Ja, angesichts der Qualität unseres Beitrags, die immer besser wird und nun auch eine internationale Leserschaft hat (siehe die englische Version). Aber nein, weil die Herausforderungen noch lange nicht bewältigt sind.

Von den Hunderten von Meldungen, die wir bearbeiten, stammen viele von Personen, die mit unserer Arbeit solidarisch sind und uns ihre Fundstücke und Gedanken mitteilen. Dies gilt insbesondere für unseren Beirat. Ohne dieses Netzwerk von Freunden und Experten stände digiVolution sehr allein…!

Ein grosses DANKESCHÖN an sie und unsere vier Initialspender – die im Hintergrund bleiben möchten – ohne die dies alles nicht möglich gewesen wäre.

digiVolution hat die Phase 1.0 geschafft. Jetzt geht es um den Übergang zu Phase 2.0. Erlauben Sie uns, Sie um eine grosszügige Unterstützung zu bitten


 

 

Seit der Gründung von digiVolution wurde immer wieder auf diese Fakten hingewiesen und die Notwendigkeit eines ganzheitlichen und systemischen Ansatzes betont. Die Sicherheitsprobleme der digitalen Gesellschaft sind nicht nur technologischer Art. Sie werden gleichermassen durch politische, personelle, materielle und energetische Probleme verursacht.

Was wird wirklich unternommen, um diese Situation, die alle Symptome einer angekündigten Katastrophe aufweist, unter Kontrolle zu bringen? Was muss getan werden, damit die Schweiz endlich massiv in echte Lösungen für ihre Sicherheit im digitalen Zeitalter investiert? Wir brauchen viel mehr neue Ideen.

Digitales Vertrauen, Resilienz und Souveränität werden nicht durch Schlagworte, sondern durch konkrete Massnahmen geschaffen. digiVolution hat seit ihrer Gründung immer wieder betont, dass dies STRATEGISCHE, LEBENSWICHTIGE und DRINGENDE Themen sind. Und es wurden viele Vorschläge gemacht. Der Westen fürchtet den Ansturm russischer Panzerhorden.

Vielleicht in ein paar Jahren, aber unsere Gesellschaft jetzt angegriffen, und zwar in zunehmendem Masse dort, wo sie am schwächsten ist, in ihren informationellen und digitalen Abhängigkeiten und Verwundbarkeiten. Es ist Zeit, aufzuwachen, den Problemen ins Auge zu sehen und echte Prioritäten zu setzen.


BOOKS & REPORTS

Dies ist eine Liste relevanter Bücher und Publikationen, auf die wir bei unseren Recher-chen der letzten Wochen gestossen sind. Sie finden sie auf dVPedia unter dVLibrary.

 

Gedächtnis der Menschheit – Die Speichertechnologien – Disketten, ZIP-Disketten, USB-Sticks, CD-ROMs etc. – überleben zwischen 5 und 10 Jahren. Was passiert danach? Sie veralten, werden entmagnetisiert und vor allem schnell durch andere Standards und Technologien ersetzt. Im Klartext: Sie sind einfach nur zum Wegwerfen geeignet, und ihr Inhalt gleich mit, da die Kompatibilität mit früheren Versionen oftmals nicht gegeben ist. Für verzweifelte Fälle gibt es das Bolo-Museum der EPFL, aber wie lange wird es selbst überleben? Der Beruf des Archäologen könnte frustrierend werden, wenn es keine Schriftstücke mehr gibt…! Jetzt hat bereits die Karibikinsel Aruba ein Internet-Portal zum digitalen Kulturerbe geschaffen und bewahrt so seine Geschichte und Kultur für den weltweiten Zugang. Damit erweitert das Internet Archive seine ohnehin schon grosse Rolle bei der Bewahrung der digitalen Welt für die Nachwelt. Die UNESCO fordert seit langem eine Lösung für den Erhalt des Gedächtnisses der Menschheit. Das Beispiel von Aruba erinnert uns an diese Forderung.

Europäische Energieverteilungsnetze – Seit den Anfängen von digiVolution gibt es ein Thema, das immer wieder auftaucht: die Gleichung «NO POWER – NO CYBER». Wenn es um den Strombedarf geht, wird oft ein Schlüsselelement vergessen: der Transport. In Bereich Stromtransport ist das Hochspannungsnetz (110-400 kV) ein Schlüsselelement, das erheblich ausgebaut werden muss. Laut dem letzten Bericht von EMBER, einem Think Tank zur Beschleunigung des Energiewandels, könnte das europäische Hochspannungsnetz die zusätzliche Leistung aus Wind und Sonne nicht bewältigen. Da das gesamte europäische Netz verbunden ist und nicht nur aus guten Leistungsträgern besteht, ist das Risiko eines Ausfalls nicht unerheblich

AI Index Report der Standford University – Die 2024-Ausgabe, die siebte, erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem der Einfluss der KI auf die Gesellschaft noch nie so deutlich war wie heute. Wir haben die 10 wichtigsten Ergebnisse des Berichts zusammengefasst.

  1. KI übertrifft den Menschen bei einigen Aufgaben, hinkt aber bei komplexeren Aufgaben hinterher, insbesondere wenn es um logisches Denken und Planung geht.
  2. Die Industrie dominierte die Forschung in 2023 mit 51 Modellen für maschinelles Lernen, während die Wissenschaft nur 15 Modelle hervorbrachte.
  3. Pioniermodelle werden immer teurer. Allein das Training von GPT-4 kostete 78 Millionen Dollar, während Googles Gemini Ultra 191 Millionen Dollar kostete.
  4. Die USA liegen vor China, der EU und Grossbritannien. Im Jahr 2023 kamen 61 fortschrittliche KI-Modelle aus den USA, 21 aus der EU und 15 aus China.
  5. Es fehlt an robusten, standardisierten Bewertungen der LLM-Haftung, so dass es schwierig ist, Risiken und Grenzen zwischen KI-Modellen zu vergleichen.
  6. Die Investitionen in generative KI explodieren (25,2 Milliarden Dollar, das 8-fache des Wertes von 2022), obwohl die KI-Investitionen insgesamt zurückgehen.
  7. Laut mehreren Studien macht KI die Arbeitnehmer produktiver. Diese Studien haben gezeigt, dass KI die Kluft zwischen tief und hoch qualifizierten Mitarbeiter überbrückt, aber andere Studien stellen fest, dass ein grosser Bedarf an Kontrolle besteht.
  8. Der wissenschaftliche Fortschritt beschleunigt sich dank der KI weiter, und 2023 kamen mehr wichtige wissenschaftliche KI-Anwendungen auf den Markt, zum Beispiel in der Materialwissenschaft.
  9. Die Zahl der KI-bezogenen Vorschriften in den USA nimmt rapide zu. Bis 2023 wurden es 25, verglichen mit nur einer im Jahr 2016.
  10. Überall auf der Welt sind sich die Menschen der potenziellen Auswirkungen der KI stärker bewusst. In den USA sagen 52% der Amerikaner, dass sie eher besorgt, als begeistert über KI sind, verglichen mit 37% im Jahr 2022.

 

Das war’s für diese Ausgabe. Wir hoffen, dass Sie wieder inspiriert wurden. Wir wünschen Ihnen viele lehrreiche Erkenntnisse mit den ausgewählten Artikeln und Links und sehen uns in zwei Wochen wieder.


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Alarm

Alarm 1000 832 digiVolution

Liebe Leserinnen und Leser

Hier sind die dV-News 08-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links. In dieser Ausgabe schlagen wir erneut Alarm. Zwei jüngste Ereignisse sind Anlass für unseren Apell: die Statistiken zur Cyberkriminalität in der Schweiz und der Fall xz Utils. Diese beiden Themen gestalten diesen 99. Beitrag und zeigen auf, wie dringend die Schweiz eine «Vision für eine sichere, resiliente und souveräne Gesellschaft im Zeitalter der digitalen Mutation» benötigt. Dieser täglich dringlichere Aufruf, stand bereits im Mittelpunkt unseres Kommentars zu SIPOL B 21. Er wurde nicht angehört.

Die Schweiz muss die Debatte hochfahren und sich einen soliden und nachhaltigen strategischen Vorteil verschaffen. Hören wir auf, nur Mitläufer zu sein!


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ALARM!

Erst seit 2020 gibt es in der Schweiz eine polizeiliche Statistik über Cyberkriminalität. Anlässlich der ersten Veröffentlichung meldete das Bundesamt für Statistik 24’400 Fälle. Im Jahr 2023 wurden 43’839 Fälle von den Strafverfolgungsbehörden gemeldet, was einem Anstieg von 80% innerhalb von 4 Jahren entspricht. Zwischen 2022 und 2023 betrug der Anstieg 31%. Die meisten Straftaten sind wirtschaftlicher Natur, mit 40’496 erfassten Fällen, was einem Anstieg von 36,5% bis 2023 entspricht. Die Hauptursachen sind die Zunahme von Phishing (+70%), die betrügerische Nutzung von Zahlungssystemen oder falsche Identitäten für Betrügereien (+66%) und Kleinanzeigenbetrug, bei dem bezahlte Objekte nicht geliefert werden (+23,1%).

Riskieren wir die Prognose eines jährlichen Anstiegs der Cyberkriminalität von +5%. Im Jahr 2030 würde der jährliche Anstieg damit +65% betragen, mit fast 740’000 Cyberdelikten. Wenn dieser Anstieg sich bestätigt, dann werden die Zahlen, die in einem Jahr für 2024 veröffentlicht werden, 59’000 Fälle betragen, 83’000 für 2025.

Übertrieben? Panikmachererei? Vielleicht. In Frankreich beträgt der Anstieg seit 2020 400%. Laut Statista werden die weltweiten Kosten für Cyberkriminalität bis 2028 auf 13’820 Mrd. Dollar ansteigen, was mehr als 10% des weltweiten BIP entspricht. Und es sind die reichen Länder, die am stärksten betroffen sein werden. Die deutsche Branchenorganisation Bitkom schätzt, dass 2022 3,8% des deutschen BIPs vernichtet wurden, was 206 Mrd. € entspricht.  Bezogen auf die Schweiz ist dies so, als hätten wir 2022 das Fünffache des Militärbudgets aus dem Fenster geworfen. Wie viel davon ist allein auf Kriminalität zurückzuführen und wie viel auf geopolitische Reibungen und Cyber in war? Schwer zu sagen, aber die zunehmenden weltweiten Spannungen werden die Risiken nicht verringern.

Was bedeuten diese Zahlen? Ein Anstieg der Cyberkriminalität oder der Anzeigen? Die Meldung an die Strafverfolgungsbehörden verbessert sich, aber diese Zahlen zeigen zweifelsohne eine Zunahme der Cyberkriminalität. Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, denn die Grauzone ist gross. Es gibt nicht entdeckte Fälle und vor allem nicht gemeldete Fälle. Nach Angaben des US-Justizministeriums wird nur einer von sieben Fällen den Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Mindestens 85% der Cyberkriminalität bleibt somit verborgen.

Diejenigen, die diese Zahlen bezweifeln, werden immer Ausreden finden, um sie zu relativieren und notwendige Massnahmen aufzuschieben, aber die Schlussfolgerung ist, dass die Cyberverteidiger kurz davor stehen den Kampf zu verlieren. Eine hohe Rechnung in Sicht! Insbesondere mit der Beschleunigung durch KI und Quantum Computing.

Seit der Gründung von digiVolution wurde immer wieder auf diese Fakten hingewiesen und die Notwendigkeit eines ganzheitlichen und systemischen Ansatzes betont. Die Sicherheitsprobleme der digitalen Gesellschaft sind nicht nur technologischer Art. Sie werden gleichermassen durch politische, personelle, materielle und energetische Probleme verursacht.

Was wird wirklich unternommen, um diese Situation, die alle Symptome einer angekündigten Katastrophe aufweist, unter Kontrolle zu bringen? Was muss getan werden, damit die Schweiz endlich massiv in echte Lösungen für ihre Sicherheit im digitalen Zeitalter investiert? Wir brauchen viel mehr neue Ideen.

Digitales Vertrauen, Resilienz und Souveränität werden nicht durch Schlagworte, sondern durch konkrete Massnahmen geschaffen. digiVolution hat seit ihrer Gründung immer wieder betont, dass dies STRATEGISCHE, LEBENSWICHTIGE und DRINGENDE Themen sind. Und es wurden viele Vorschläge gemacht. Der Westen fürchtet den Ansturm russischer Panzerhorden.

Vielleicht in ein paar Jahren, aber unsere Gesellschaft jetzt angegriffen, und zwar in zunehmendem Masse dort, wo sie am schwächsten ist, in ihren informationellen und digitalen Abhängigkeiten und Verwundbarkeiten. Es ist Zeit, aufzuwachen, den Problemen ins Auge zu sehen und echte Prioritäten zu setzen.

To prevent global catastrophe, governments must first admit there’s a problem [link]

BOOKS & REPORTS

Dies ist eine Liste relevanter Bücher und Publikationen, auf die wir bei unseren Recher-chen der letzten Wochen gestossen sind. Sie finden sie auf dVPedia unter dVLibrary.

Open Source – Wer ist zuständig?

Wir haben oft über das Thema Souveränität gesprochen, d.h. die Fähigkeit einer Einheit (Einzelperson, Organisation, Unternehmen, Staat), selbständig zu entscheiden und zu handeln und somit die volle Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen. Der jüngste Beinahe-Zwischenfall xz Utils hat uns dazu veranlasst, uns mit dem Thema Open-Source-Software zu befassen.

Dachten Sie, dass hinter jeder Code-Zeile eine rechtlich verantwortliche Instanz steht? Vergessen Sie es! Verschiedene Communities stellen zwar Zeit und Fachwissen zur Verfügung, um Code zu entwickeln, der dann der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt wird… ABER!

Wenn Freiwillige einen mit Müll verschmutzten Bach reinigen und dabei ein paar Plastikverpackungen oder -flaschen übersehen, ist das zwar nicht sauber, aber es hat keine systemischen Folgen. Wenn jedoch Freiwillige Code entwickeln, den niemand wirklich kontrolliert, und wenn diese technologischen Bausteine überall zu finden sind, sogar mitten in unserem Leben und ohne unser Wissen über Jahrzehnte hinweg, wer trägt dann die Verantwortung, wenn es schief geht? Die Konsequenzen können enorm sein!

Die Liebhaber des freien Codes argumentieren gerne, dass die Gemeinschaft aufpasst und sich selbst kontrolliert. Aber wer verbirgt sich hinter diesem Begriff? Ein weisser Ritter? Ein fehlerloses Genie? Es kann sich auch um Wölfe im Schafspelz handeln, die den Ehrgeiz haben, ein paar bösartige Zeilen in Softwarebausteine einzufügen, die für das Internet unerlässlich sind und nur wenigen Personen bekannt sind. Dies geschah im Fall von xz Utils.

Die Tech-Giganten beschäftigen Hunderttausende von Menschen, um ihre Produkte zu entwickeln. Sie unternehmen immer grössere Anstrengungen, um fehlerfreien Code zu produzieren. Trotzdem sind ihre Produkte fehlerhaft und die Situation dürfte sich nicht verbessern, sobald die KI ins Spiel kommt. Insbesondere wenn die Tech-Giganten in Bezug auf die Sicherheit selber nachlässig sind. Aber zumindest sind sie rechtlich verantwortlich für ihre Produkte.

Die Schwachstellen werden (in der Regel) von den Herstellern gepatcht, sobald sie gefunden werden. Viele davon wurden von uns, den (zahlenden) Nutzern/Betatestern, entdeckt. Sobald ein Patch veröffentlicht wird, ist es zwingend erforderlich, ihn so schnell wie möglich in der eigenen Infrastruktur umzusetzen, da auch böswillige Angreifer die Veröffentlichungen über Sicherheitslücken und ihre Patches lesen und daher zur gleichen Zeit wie wir wissen, wann unsere Sicherheit kompromittiert ist. Leider ist es üblich, dass sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen Tage, Monate, sogar Jahre brauchen, um zu reagieren. Und unterdessen sind die Bösen unterwegs!

Wie sieht es in der Welt der Open Source aus? Wie laufen die Prozesse ab? Wer ist verantwortlich? Es ist sehr wahrscheinlich, dass es niemanden gibt, der am anderen Ende der Leitung sitzt. Und produziert die Community weniger Fehler als die Industrie? Nichts ist weniger sicher. Wie der Fall xz Utils, eine Sammlung von Bibliotheken unter Linux und vielen Unix-Systemen zur Datenkomprimierung, zeigt, ist Open Source nicht gegen Fehler immun und diese können sowohl zufällig als auch beabsichtigt sein.

Der Zufall wollte es, dass ein Programmierer ein Backdoor entdeckte, die von einer vermutlich staatlichen Hand in einem der Softwarebausteine installiert worden war, der der Öffentlichkeit nicht bekannt sind, aber weltweit zur Wartung von Servern eingesetzt wird. Diese von einigen Freiwilligen erstellte Software wurde manipuliert und war nur eine Haarbreite davon entfernt, mit bösartigen Funktionen verbreitet zu werden. Die Entwickler dieser Schwachstelle hätten sich dann ohne Widerstand Zugang zu unzähligen Systemen auf der ganzen Welt verschaffen können.

Wer ist für die Qualität dieser freien Software verantwortlich? Wissen Sie, dass, wenn Sie mit Ihren wichtigsten Prozessen im Internet surfen, diese von einer digitalen Basis abhängen, von der Sie nichts wissen, für die niemand offiziell verantwortlich ist, von niemanden kontrolliert wird und der im Falle eines Vorfalls niemand zur Rechenschaft gezogen wird?

Der «Papst» der Cybersicherheit, Bruce Schneier, sprach in Bezug auf den Fall xz Utils vom Glück, dass die Hintertür rechtzeitig entdeckt wurde. Er schreibt jedoch auch, dass dies sicherlich kein Einzelfall ist.  Aber können wir die Sicherheit unserer lebenswichtigen Prozesse von Amateur, dem Zufall oder dem Roulette überlassen?

Und zum Schluss, ein wenig Humor: in der Informatik kennt man die Easter Eggs. Jetzt gibt es auch die Cyberaprilscherze.

Das war’s für diese Ausgabe. Wir wünschen Ihnen viele lehrreiche Erkenntnisse mit den ausgewählten Artikeln und Linksund sehen uns in zwei Wochen wieder.


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Born 150 years ago

Born 150 years ago 1304 942 digiVolution

Liebe Leserinnen und Leser

Hier sind die dV-News 07-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links. Diese Ausgabe ist inspiriert von der Gedenkfeier am 22. März 2024 – hervorragend organisiert von Divisionär Tüscher, Kommandant der Territorialdivision 1 – zum 150. Jahrestag der Geburt von General Guisan, unserem Oberbefehlshaber im Zweiten Weltkrieg.

Was hätte Guisan gesagt?

Aus allen Ansprachen – alle bemerkenswert -, die bei dieser Gedenkfeier in Verte Rive, dem früheren Anwesen des Generals in Pully, gehalten wurden, haben wir zwei zentrale Aussagen herausgegriffen: Die Bedeutung des Menschlichen für Guisan und seine unermüdlichen Bemühungen, die Schweiz auf die Katastrophe vorzubereiten, die er bereits 1934 vorausgesehen hatte. Guisan hatte einen einzigen Kompass, um sein Handeln zu leiten: das höchste Wohl des Vaterlandes.

Was die Anwesenden an diesem 22. März 2024 jedoch bewegt haben, ist die Aktualität der Aussagen des Generals bis hin zu seinem Abschlussbericht. Fast 80 Jahre später genügt es, einige wenige Daten und Wörter zu ändern, um festzustellen, dass seine Prinzipien und Richtlinien kaum gealtert sind.

Die Frage, die sich uns stellt, ist, wie die Botschaft des Generals heute angesichts der Bedrohungen für die Schweiz im Jahr 2024 aufgrund der technologischen Entwicklungen und Abhängigkeiten lauten würde. Das Gedankenspiel mag als arrogant oder zumindest als gewagt erscheinen.  Doch halten wir den Versuch für opportun, herausfinden, was uns der General dank seiner Erfahrung als Oberbefehlshaber in einer Zeit, in der der Krieg nach Europa zurückgekehrt ist und sich täglich zu verschlimmern droht, empfehlen könnte.

Folgendes würde uns der General 2.0 wohl sagen:

«In unserer durch Daten und Technologien globalisierten Welt erwarte ich von jedem Einzelnen, dass er/sie entsprechend seiner/ihrer Kom­pe­tenzen und Verantwortlichkeiten alles unternimmt, um

die Lage zu verstehen – Wissen ist der Schlüssel und es ist wichtig, dass jeder Akteur ohne Abstriche über die genauen (auch historischen) Fakten verfügt, frei von jeglichen (auch technischen) Filtern, Dogmen oder Manipulationen, da er/sie es braucht, um Risiken und Chancen zu analysieren und gute Entscheidungen zu treffen.

für alle Fälle gerüstet zu sein – Alle erforderlichen technischen, organisatorischen und operativen Massnahmen müssen priorisiert und umgesetzt werden und das Personal muss darin ausgebildet und trainiert werden und für sämtliche Fragestellungen müssen entsprechende Antworten oder zumindest eine Eventualplanung bestehen.

durchhaltefähig zu sein – Dies ist sicherlich die schwierigste Herausforderung, da jede längere Periode der Bequemlichkeit die stärkste Entschlossenheit aufweicht und dazu verleitet, die Anstrengungen und Reserven zu reduzieren, obwohl – die Geschichte zeigt es – Zeiten der Not und des Wettbewerbs dem Normalfall entsprechen und es eben diese sind, in denen die Leistung gemessen und am Erfolg geschmiedet wird.

innovativ zu bleiben – Die Technologie mit ihren Praktiken und Taktiken schreitet schnell voran, was es erforderlich macht, jedem Einzelnen Handlungsfreiheit zu übertragen (Auftragstaktik) und den Innovationsgeist auf allen Ebenen zu fördern, während gleich­zeitig ein Rahmen aufrechtzuerhalten ist, der die Kohärenz des Ganzen garantiert.

tiefgreifend zu Handeln – Der Staat ist dafür verantwortlich die Gesellschaft zu organisieren, aber ihm kann nicht alles auferlegt werden. Es liegt somit in der Verantwortung jedes Einzelnen – Unternehmen, Organi­sa­tionen und Individuen – seine Stellung und Verantwortung innerhalb des Ganzen zu verstehen und wahrzunehmen

Das Interessante an diesen fünf Punkten ist, dass sie nicht nur auf der staatlichen Ebene, sondern auch auf der Ebene jeder privaten Organisation angewendet werden können.

Warum ist es sinnvoll zu versuchen, die Lehren des Generals in die Gegenwart zu übertragen? Weil sich die geopolitische Lage in eine beunruhigende Richtung entwickelt und sich die Lage im Cyberbereich sowie den Faktoren, von denen dieser abhängt, nicht zum Besseren wendet, wie wir regelmässig betonen.

Sicherheit ist nicht so kompliziert, aber sie hat ihren Preis, wobei der Preis der Unsicherheit noch höher ist. Hat die Schweiz dies vergessen?

BOOKS & REPORTS

Hier die Liste der Bücher und Publikationen von Interesse, auf die wir anlässlich unserer Recherchen der letzten zwei Wochen gestossen sind. Und auf dVPedia bietet die Rubrik dVLibrary mit ihrem neuen Look and Feel bereits 100 Titel mit Referenzen und einer Zusammenfassung an.

Signifikante Nachrichten der letzten Wochen

 TORNADO – Unter der Leitung des hervorragenden Maxime Girod fand am 14. März in Morges die vierte Ausgabe des Forum Venoge zu den Folgen von Naturkatastrophen statt. Ein aktuelles Thema, da die EU selbst beginnt, an ihrem Vorbereitungsstand zu zweifeln, und die Europäische Umweltagentur Europa auffordert, mehr gegen die Klimakrise zu tun, um «katastrophale» Folgen zu vermeiden. Bedeutsam für den Cyberraum? Zweifellos, da technische Infrastrukturen u.a. Kühlung, Energie und stabile Böden benötigen. Drei Themen, die bereits auch in der Schweiz problematisch sind. Das Datum des Forums für 2025 ist der 20. März und das Thema wird die KI sein. Bitte im Terminkalender eintragen!

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Die kleinen grünen Männchen sind nicht unter uns – Das wird in einem Bericht des Pentagons behauptet. Die Autoren haben in der Tat keine Beweise für Besuche von Ausserirdischen oder verdeckten Raumschiffen gefunden. Die Forscher sind der Meinung, dass die Behauptungen über geheime Regierungsprogramme zum Reverse Engineering von ausserirdischer Tech­nologie auf «Rundschreiben» und Hörensagen beruhen. Die Schlussfolgerungen der Studie sind eindeutig: Es gibt keinen Beweis für die Existenz einer wie auch immer gearteten ausserirdischen Technologie. Für Phantasten bedeutet dies, dass es keine magische Technologie gibt, die als Game Changer fungieren kann. Ist das wahr? Der Mythos von Area 51 ist bedroht 😊

 Verantwortungsvolle militärische Nutzung von künstlicher Intelligenz – Eine weitere Initiative, bei der die Schweiz durch Abwesenheit glänzt? Wenn dies der Fall sein sollte, liegt es an einer restriktiven Auslegung der Neutra­li­tät? Die Liste der Teilnehmer zeigt jedoch, dass die Initiative sehr offen ist. Und grundsätzlich scheint es sinnvoll zu sein, sich an der Kontrolle von Technologien zu beteiligen, die ein hohes Fehlentwicklungspotenzial aufweisen. So nimmt die Schweiz bereits seit 2019 am Tallinn Center of Excellence für Cyberdefence teil. Wir sollten nicht warten, bis sich Szenarien wie «Terminator» materialisieren, bevor wir überlegen. Einige Militär werden nicht warten.

 Das Datenzeitalter – Das neueste Bulletin der asut – des Schweizerischen Verbandes der Telekommunikationsunternehmen – ist lesenswert, insbesondere das Editorial. Der asut-Präsident Peter Grütter erläutert darin die Datengesellschaft und die enormen Möglichkeiten, die sich durch einen geordneten Umgang mit diesem Treibstoff ergeben. Daten haben einen hohen intrinsischen Wert, aber nur, wenn sie wertgeschätzt werden. Mit Blick auf die andere Seite der Medaille erinnert Peter Grütter jedoch auch an die Existenz einer dunklen Seite, von der wir uns nicht überwältigen lassen sollten. Er schliesst mit den Worten: «Wir leben im Zeitalter der Daten: Machen wir das Beste daraus”. Auch der Vater des Internets, Tim Berners-Lee, hat nach der Feststellung der zahlreichen Fehlentwicklungen seiner Erfindung, die 35 Jahre alt ist, aber seiner Meinung nach noch in den Kinderschuhen steckt, eine optimistische Botschaft ausgesprochen.

 eCyAd – Das von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) und dem Sicherheitsverbund Schweiz (SVS) initiierte Projekt hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Ausbildungsprogramm, zu dem digiVolution auch beiträgt und das weiter ergänzt und regelmässig aktualisiert wird, ist für jedermann verfügbar. Jede Organisation kann eine Gruppe gründen und dann für jeden Teilnehmer ein Zertifikat erhalten, das belegt, dass das Programm abgeschlossen wurde.

Das war’s für diese Ausgabe. Wir hoffen, dass sie Ihnen gefallen hat. Wir wünschen Ihnen zudem viele lehrreiche Erkenntnisse mit den ausgewählten Artikeln und Links und sehen uns in zwei Wochen wieder.


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Wir wünschen Ihnen viele lehrreiche Erkenntnisse mit den ausgewählten Artikeln und Links und sehen uns in zwei Wochen wieder.

Saving Private rAIan

Saving Private rAIan 580 441 digiVolution

Liebe Leserinnen und Leser

Hier sind die dV-News 06-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links. Ein ungewöhnlicher Titel, inspiriert von einem Artikel von PublicCitizen, der selber eine Anspielung auf die G.I. Joe-Serie ist – eine internationale militärische Gruppe, die sich für den Frieden einsetzt und über mächtige Technologien verfügt – und einem weiteren Titel eines Kultfilms, von dem wir den Namen der Hauptfigur abgewandelt haben. All dies dient der Einführung eines ernsten Themas: dem Einsatz von KI im Krieg

Die digitale Mutation der Armeen vollzog sich nicht über Nacht. Seit Beginn des Konflikts in der Ukraine war jedoch die Präsenz und der Einfluss der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) noch nie so prägnant. Aber es ist auch ein Krieg voller Paradoxien, mit viel very high Tech auf der einen Seite und Bildern auf der anderen Seite, von denen man dachte, dass sie für immer der Vergangenheit angehören würden: schlammige Schützengräben, in denen sich die Soldaten mit Ratten herumschlagen müssen.

IKT ist überall zu finden. Das Smartphone ersetzt nun den handgeschriebenen Brief, der zwischen den Artilleriesalven verfasst wurde, um eine vermeintliche Verbindung mit den Familien aufrechtzuerhalten. Aber diese Verbindung kann auch zur Falle werden und es dem Feind ermöglichen, die Position des ver­schanzten Soldaten zu orten und zu bombardieren. Drohnen ersetzen das Fernglas und ermöglichen es, hinter Hindernisse zu schauen, Minenfelder zu überqueren oder Gebäude zu erkunden, ohne das Leben von Aufklärungspatrouillen riskieren zu müssen. Aber wie der Falke, der sich auf das Kaninchen stürzt, das unvorsichtigerweise seinen Bau verlassen hat, kann eine andere Drohne – mit Streumunition – jederzeit still und leise den Tod aus der Luft bringen.

IKT ist überall zu finden. Die Bilder aus der Ukraine zeigten oft geniale Basteleien, aber immer häufiger handelt es sich um ausgeklügelte Systeme, die von ihren Entwicklern mit der grösstmöglichen Effizienz und/oder todbringender Wirkung ausgestattet wurden. Was könnte legitimer sein, wenn es um den Schutz vor einem Feind geht, der keine Gnade kennt? Seit Februar 2022 tobt die Innovation auf allen Ebenen, wie bei jedem Konflikt. Viele Staaten haben in den Kriegswirtschaftsmodus geschaltet oder sind auf dem Weg dazu. In einer kürzlichen Ansprache sagte zudem die stellvertretende US-Verteidigungsministerin Kathleen Hicks, dass das Pentagon die Grundlagen für eine «datengestützte Armee mit künstlicher Intelligenz» geschaffen habe. Es findet also eine Beschleunigung statt und alle tragen dazu bei. Denn dies kann im Kampf lebenswichtig sein.

Mit dem Manhattan-Projekt, das zur Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki führte, hat die Menschheit das ultimative Zerstörungsmittel erfunden. Obwohl die Bombe seither allgegenwärtig ist, war die Menschheit klug genug, bisher ihre generelle Verbreitung und ihren Einsatz zu verhindern. Und glücklicherweise ist die Herstellung einer nuklearen Waffe ist nicht für jeden erschwinglich.

Wie sieht es mit der KI aus? Der Einstiegspreis ist ungleich niedriger, so dass ein einfaches Team Algorithmen mit mächtigen zerstörerischen Cyberfähigkeiten entwickeln, oder die Schutzmassnahmen der bestehenden LLMs umge­hen  kann, bevor diese in die sich rasch entwickelnde Robotik integriert werden. Was also ist mit Staaten und/oder grossen Organisationen, die über erhebliche Mittel verfügen und entschlossen sind, ihre Kriege zu gewinnen? Werden sie zögern, Systeme zu entwickeln und einzusetzen, die autonom entscheiden, welche Ziele sie zerstören? Werden sie zögern, die KI Raketen abfeuern zu lassen, sogar Atomraketen, wie der UN-Generalsekretär befürchtet? Im Krieg ist der Sieger oft derjenige, der am klügsten, schnellsten und genauesten ist. Und es ist auch derjenige, der die Geschichten am besten erzählt.

Die KI bietet alle vier Eigenschaften. Welcher Angreifer oder Verteidiger würde auf die beste Waffe verzichten? Es ist daher fraglich, ob sich alle an ihre vermeintlichen Erklärungen halten werden: Staaten, Einzelpersonen, Kriminelle oder Unternehmen, die den Profit über alles stellen, wie es die Tech-Giganten selbst allzu tun. Es ist auch fraglich, ob Prinzipien wie die von Asimov, die sehr umstritten und nicht durchsetzbar sind, zu Regeln führen, die einheitlich und dauerhaft eingehalten werden. Die KI hat das Potenzial, und tut es bereits, Gutes zu tun, aber wird die Menschheit den Soldaten rAIan retten können?

BOOKS & REPORTS

Hier die Liste der Bücher und Publikationen von Interesse, auf die wir anlässlich unserer Recherchen der letzten zwei Wochen gestossen sind. Und auf dVPedia bietet die Rubrik dVLibrary mit ihrem neuen Look and Feel bereits 100 Titel mit Referenzen und einer Zusammenfassung an.

Signifikante Nachrichten der letzten Wochen

Geopolitik – Während sich unsere Aufmerksamkeit in Europa auf die Ukraine und den Nahen Osten konzentriert, wird die Beobachtung der Situation in Asien weitgehend vernachlässigt. Dort verschlechtert sich aber die Lage zwischen den beiden Koreas, in Taiwan und im Südchinesischen Meer laufend. Ein zunehmendes Konfliktpotential in einer Region, die nicht weniger als das globale digitale Entwicklungs-Atelier ist. Viele Kommentatoren bezeichnen jedoch noch dieses Risiko, auf das wir regelmässig hinweisen, als unwahr­schein­lich. Um sicher zu gehen, dass die Gemengenlage von allen erkannt wird, laden wir Sie, liebe Leserinnen und Leser ein, ihrem breiteren Umfeld die folgende Abbildung zu zeigen. Damit wird deutlich, dass aufgrund der zunehmenden Abhängigkeit des Westens Produkten des digitalen Ökosystems aus Asien, die Auswirkungen einer Krise zunehmen. Zwar wurden wichtige Entscheidungen getroffen, um die Produktion von Kerngütern in die USA zu verlagern (somit bleibt Europa weiterhin abhängig), aber der Prozess verlangsamt sich. In der Tat sind die Engpässe aus der COVID-Periode mittlerweile überwunden und damit auch ihre Anreizwirkung.

In dieser Abbildung ist auch – aufgrund der Spannungen in der Region – der Effekt der steigenden Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs von offenen Konflikten zu erkennen. In Bezug auf das Risiko bewegen wir uns also von einem orangefarbenen zu einem roten Punkt. Was wären die Folgen einer Unterbrechung der Lieferkette für digitale Produkte? Wie könnte der Rest der Welt darauf reagieren? Gibt es zufriedenstellende Antworten?

► Die allgemeine künstliche Intelligenz (AKI) kommt – Ob es uns gefällt oder nicht, nichts wird sie aufhalten können. Zum Schlechteren oder zum Besseren? Die Verantwortung für die zweite Option liegt bei der Menschheit. Die Frage, die alle beschäftigt, lautet: «Was bleibt dem Menschen, wenn die AKI kommt?» Viele sind der Meinung, dass alles, was mit Kreativität und Emotionen zu tun hat, einzig den Menschen vorbehalten bleibt. Ist das wirklich so? Die Fortschritte, die seit November 2022 und der stürmischen Ankunft von ChatGPT zu verzeichnen sind, sollten uns stattdessen demütig machen, sollten uns demütig stimmen, denn so vieles, was vor kurzem noch als unmöglich galt ist inzwischen möglich geworden. Solche Aussagen, wie auch ihr Gegenteil, stellen nichts weiter als nicht fundierte Hypothesen dar, wishful thinking, wie die Angelsachsen sagen. Und was hindert ein mit AKI gedoptes synthetisches Wesen daran, all das zu tun, was Menschen tun, wenn es die richtigen Mittel zur Fortbewegung und zum Greifen hat? Nur besser!

Mein Auto und mein Kran spionieren mich aus – Am 6. September 2023 enthüllte die Mozilla Foundation das Ausmass des Daten­ab­griffs durch Autos. Die Information löste kaum eine Reaktion in den Staatskanzleien aus, aber das Thema ist wieder in den Vordergrund gerückt, da nicht nur in China produzierte Autos, sondern auch Hafenkräne Anlass zur Sorge geben. Präsident Biden ordnete an, dass die Daten von US-Bürgern nicht mehr an russische und chinesische Unternehmen verkauft werden dürfen. Angesichts der wachsenden Spannungen zwischen diesen Nationen ist es immer wieder erstaunlich, wie viele Situationen es gibt, in denen trotz aller Embargos und Warnungen US-amerikanische Unternehmen und sogar Pensionsfonds weiterhin enge Geschäfte mit diesen Ländern abschliessen. Angstmacherei oder Realität? Die Frage stellt sich auch beim Tesla, den die Bundesrätinnen Leuthard und Sommaruga benutzten. Die Antwort von armasuisse, dass der «Wächtermodus» des Fahrzeugs verhindere, dass alles in und aus dem Fahrzeug aufgezeichnet werde, war zumindest mutig.

► Fortsetzung der Xplain-Affäre – Das BACS veröffentlichte einen Bericht zur Analyse der Daten, die von den Angreifern offengelegt wurden. Sie ergab, dass unter der im Darknet veröffentlichten Masse an Dokumenten etwa 5’200 der Bundesverwaltung mit sensiblen Inhalten (per­sönliche Daten, technische Informationen, klassifizierte Informationen, Passwörter) gefunden wurden. Warum wurden Dokumente mit sensiblen Informationen nicht verschlüsselt, wenn sie statisch sind? Wurden alle sensiblen Informationen korrekt klassifiziert? Das Ergebnis der Untersuchung der Task Force, die eingerichtet wurde, um zu verstehen, was passiert ist und wer dafür verantwortlich ist, wird auf Ende März erwartet. Vielleicht werden wir dann Klarheit haben. Denn es ist wichtig, dass die Fehler, die in diesem Fall gemacht wurden, anderen helfen, sich zu verbessern. Parallel dazu wurden fast 7’000 Verträge von IT-Anbietern des Bundes untersucht, von denen 600 noch genauer geprüft werden müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse zu einer Verbesserung der Praktiken führen und die Supply Chain des Bundes gestärkt wird. Der letzte Satz des Berichts lässt jedoch befürchten, dass wir davon noch weit entfernt sind, während ein Bericht der internen Revision des VBS Lücken in der Cybersicherheit des Departements aufzeigt. Wird es der Bundesverwaltung jemals gelingen, ein Vorbild zu sein? War die kürzliche Neuverteilung der Verantwortlichkeiten zu Lasten des BACS angemessen?

Das war’s für diese Ausgabe. Wir hoffen, dass sie Ihnen gefallen hat. Wir wünschen Ihnen zudem viele lehrreiche Erkenntnisse mit den ausgewählten Artikeln und Links und sehen uns in zwei Wochen wieder.


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Strategic vs. tactic

Strategic vs. tactic 2000 1878 digiVolution

Hier sind die dV-News 05-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links. Das bedeutendste Ereignis der letzten zwei Wochen war eindeutig die Zerschlagung der Cyberkriminellenbande LockBit, einer der Hauptakteure in der Ransomware-Szene, durch die Sicherheitskräfte mehrerer Länder. Ein Erfolg, der schon der Vergangenheit angehört…!

Strategic vs. tactic

Mit diesem 96. Newsletter wollen wir dieser Frage nachgehen und kommen erneut zum Schluss, dass ausnahmslos alle die Bedeutung der strategischen Dimension der Herausforderungen der digitalen Mutation und der Cyberbedrohungen verstehen müssen. Es reicht nicht aus, sich auf ein technisches und taktisches Verständnis dieser rasanten Entwicklungen zu beschränken!  Gewiss ist es zwecklos, erst dann Fragen zu stellen, wenn Angriffe vorgefallen sind und zugleich der Tsunami künftiger Bedrohungen durch KI und Quantumcomputing droht.

Das Verständnis von Cyberphänomenen ist jedoch nicht jedermanns Sache, da es wenige verständliche und nachvollziehbare Beispiele gibt. Dank Lukas Mäder, der in einem ausführlichen Erfahrungsbericht den Cyberangriff vom 24. März 2023 auf die NZZ beschreibt, ist es möglich, die schwierigen Stunden, Tage und Wochen, die das Unternehmen erlebte, zu verstehen und die Nachwirkungen noch fast ein Jahr später zu ermessen.

Wir empfehlen allen Unternehmen und Organisationen, diesen Artikel aufmerksam zu lesen, denn für viele wäre ein solcher Angriff fatal gewesen. Die Frage an diejenigen, die es noch nicht getan haben, lautet: «Sind Sie bereit, einen Konkurs zu riskieren und Ihren Mitarbeitenden und ihrer Kundschaft die Gründe dafür zu erklären»?

Und für diejenigen, die bereit sind, gehen Sie hin und erklären den Unwilligen, dass es weder unmöglich noch ruinös ist, bereit zu sein und sie das retten kann? Und was bedeutet «bereit sein»? Ein paar technische Massnahmen und ein wenig Sensibilisierung reichen nicht aus. Gewiss sind dies notwendige Schritte, aber der Cyberangriff auf die NZZ zeigt, wie Organisation, Personalschulung, Kommunikation, Prozesse und rechtliche Aspekte Teil der Vorkehrungen sind, zu denen – wie in allen anderen Bereichen – Risikomanagement und Lageüberwachung gehören.

Es muss immer wieder betont werden, dass die IT-Infrastruktur eines Unternehmens nicht lediglich eine technische Annehmlichkeit ist. Die Abhängigkeiten davon sind unterdessen so gross, dass ein Ausfall schnell zu einem systemischen Problem und damit einer Bedrohung für das gesamte Unternehmen und seine Partner werden kann. Das wissen auch die Angreifer, die sich oft die Zeit nehmen, andere wichtige Zahnräder zu beschädigen und sogar die Backups zu sabotieren, um die Resilienz ihrer Opfer ebenfalls zu zerstören.

Wenn taktisches Denken nicht ausreicht, bedeutet das Wort strategisch auch nicht stratosphärisch oder staatlich. Für die St. Gallen Business School, ist Strategie «die Kunst und die Wissenschaft, alle Kräfte eines Unternehmens so zu entwickeln und einzusetzen, dass ein möglichst profitables, langfristiges Überleben gesichert wird». Sie ist also für alle zugänglich und kann jede Organisation ermögli­chen, gute Entscheidungen zu treffen und fatale Folgen zu vermeiden. Selbst in einem KMU oder einer kleinen Gemeinde muss strategisch gedacht und gehandelt werden.

BOOKS & REPORTS

Hier die Liste der Bücher und Publikationen von Interesse, auf die wir anlässlich unserer Recherchen der letzten zwei Wochen gestossen sind. Und auf dVPedia bietet die Rubrik dVLibrary mit ihrem neuen Look and Feel bereits 100 Titel mit Referenzen und einer Zusammenfassung an.

Wichtige Nachrichten der letzten Wochen

► LockBit down! – Wie bereits erwähnt, ist die Aktion gegen diese russischsprachige kriminelle Gruppe, die in weniger als drei Jahren mehr als 2300 Opfer forderte, darunter 30 Gesundheitseinrichtungen zwischen August 2023 und Februar 2024, eine gute Nachricht. Das Ergebnis monatelanger Arbeit der Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste, inkl. der Schweiz. Was kommt nun? Die Masse der gewonnenen Informationen und Beschlagnahmungen hätte eine rasche Wiederbelebung der Gang verhindern sollen. Das Beispiel von ALPHV/BLACKCAT, die im Dezember angeblich vom FBI aufgelöst wurde und nun erklärten, dass ihre selbst auferlegten Beschränkungen, Krankenhäuser und Atomkraftwerke nicht anzugreifen, nicht mehr gelten, hätte jedoch alle vorsichtig machen müssen. Denn LockBit soll bereits zurück sein. Wie wird die Gruppe einige Leute für ihre unnötig siegreiche und kontraproduktive Kommunikation zur Kasse bitten? Dies war ein taktischer Erfolg, aber aus strategischer Sicht bleibt die Lage unverändert und die Zukunft düster. Die Hoffnungen, die durch diese Aktion geweckt wurden, sind bereits gedämpft.

Ist ChatGPT verrückt geworden? – Ja, laut ChatGPT selbst, die am 21. Februar anfing, Ergebnisse zu verbreiten, die von ihren Nutzern als «hallucinated garbage» bezeichnet wurden. Auf Anfrage antwortete ChatGPT später: «Die grössere Panne von ChatGPT wurde durch ein Problem im Backend-Server verursacht, was dazu führte, dass der Service für etwa 40 Minuten nicht verfügbar war». Hoffentlich wird der Aufruf von Gary Marcus erhört wird, der am 7. Februar schrieb: «Please, developers and military personnel, don’t let your chatbots grow up to generals». Die Versuchung, KI zu einem strategischen Vorteil zu machen, wird unweigerlich dazu führen, dass einige diese Warnungen nicht befolgen. In Bezug auf die Risiken wird es darum gehen, einen menschlichen KILL SWITCH im Mittelpunkt zu lassen. Wer kümmert sich in der Schweiz um diesen strategischen Aspekt?

Digitale Souveränität – Alles deutet darauf hin, dass dieser Kampf noch lange, sehr lange nicht gewonnen ist. In der Schweiz bezeichnen Pessimisten die Entwicklung sogar als weitgehend verloren, insbesondere nach den jüngsten Ankündigungen der Armee, Microsoft 365 für die Planung von Wiederholungskursen und ausserdienstlichen Aktivitäten zu verwenden und dies während die Migration der Verwaltungseinheiten des Bundes in vollem Gange ist. Wir von digiVolution werden nicht aufgeben und auf diese Schlüsselfrage zurückkommen. In der Zwischenzeit möchten wir Sie auf eine bevorstehende Veröffentlichung von Heidi News aufmerksam machen: «Razia sur nos donnée, die mit dem Buch von Jean Christophe Schwaab «Pour une souveraineté numérique» verglichen werden kann (siehe die Rubrik Books & Reports).  

Quelle: https://www.heidi.news/explorations/razzia-sur-vos-data/razzia-sur-nos-data-comment-nos-entreprises-servent-la-soupe-a-google-et-facebook

Superwahljahr und KI – Am Beispiel  von SORA von OpenAI macht die KI täglich Fortschritte bei der Generierung von Inhalten, in diesem Fall sogar spektakulären. Dies ist ein Grund zur Sorge für die audiovisuelle Industrie und all jene, die um die demokratischen Prozesse im Jahr 2024 fürchten – ein Jahr mit vielen Wahlen und damit ein beliebtes Ziel für Desinformation.

Am 15. Februar stellte OpenAI Sora vor, ein generatives KI-Modell, das aus textbasierten Anweisungen realistische Videosequenzen erstellen kann.


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Wir wünschen Ihnen viele lehrreiche Erkenntnisse mit den ausgewählten Artikeln und Links und sehen uns in zwei Wochen wieder.

 

Cyber Mobilization?

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Liebe Leserinnen und Leser

Hier sind die dV-News 04-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links.

Die geopolitischen Turbulenzen machen auch vor der Schweiz nicht halt und Fragen der Verteidigung stehen wieder im Mittelpunkt der Debatten, manchmal schmerzhaft, wie um das «Finanzierungsloch», von dem kürzlich Medien berichtet haben. Für diesen 95. Newsletter haben wir uns dafür entschieden, auch über Verteidigung zu sprechen, zusammen mit der Revision des Militärgesetzes, dessen Entwurf sich derzeit in der Beratung befindet.

An die (Cyber-)Waffen, Leute?

Hier sind die dV-News 04-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links. Die geopolitischen Turbulenzen machen auch vor der Schweiz nicht halt und Fragen der Verteidigung stehen wieder im Mittelpunkt der Debatten, manchmal schmerzhaft, wie um das «Finanzierungsloch», von dem kürzlich Medien berichtet haben. Für diesen 95. Newsletter haben wir uns dafür entschieden, auch über Verteidigung zu sprechen, zusammen mit der Revision des Militärgesetzes, dessen Entwurf sich derzeit in der Beratung befindet.

Zu diesem Zeitpunkt muss alles dafür mobilisiert werden. Gut, aber was steckt hinter dieser Realität und ist diese Idee realisierbar? Es gibt viele Hindernisse, und wir haben drei wesentliche identifiziert:

Auf organisatorischer und technischer Ebene muss man zunächst wissen, was verfügbar ist und was nicht, und daher die Assets von Organisationen und Unternehmen kartografieren. Wer hält das Inventar auf dem Laufenden? Die Erfahrungen von digiVolution zeigen, dass nur eine kleine Minderheit der Instanzen dies tut. Es zu erzwingen, würde viel Arbeit bedeuten. Und bei wem? Die Armee muss angeben, was sie zur Erfüllung ihres Auftrags benötigt. Wie werden diese strategischen Informationen geschützt? Es handelt sich hierbei um das Herzstück unserer Wirtschaft und um Geschäftsgeheimnisse. Und wie wird eine solche Datenbank auf dem neuesten Stand gehalten, da es sich um einen dynamischen Bereich handelt, der sich täglich ändert? Noch vor 40 Jahren war es einfach, Pferde, Baumaschinen oder Lastwagen zu requirieren, aber wie soll das bei High-Tech-Infrastrukturen gehen? Nicht einfach!

Und sobald man von Infrastrukturen spricht, braucht man auch das Betriebspersonal. Die Studie von ICT-Berufsbildung aus dem Jahr 2022 zeigt, dass die Armee in einem volatilen und austrocknenden Reservoir fischen muss. Von den rund 250’000 Personen, die in der Schweiz im ICT-Bereich tätig sind, werden bis 2030 rund 66’000 pensioniert oder sich neu orientieren, während die digitale Mutation bis dahin zusätzlich 54’000 Personen benötigen wird. Bis 2030 müssen also rund 120’000 Personen ersetzt werden, d.h. fast 40% des nationalen Bestandes an ICT-Fachkräften. Bei dieser grossen Umwälzung wird 1/3 aus jungen Absolventen bestehen (mit welcher Verteidigungserfahrung?), 1/3 wird im Ausland gewonnen werden (die für die Armee arbeiten können?) und 1/3… wird «Herr und Frau Vakant» heissen! Und wie viele dieser Männer und Frauen werden bereits in Uniform mobilisiert? Und alle eingezogenen Schweizer Informatiker/innen werden in ihrer beruflichen Kompetenz eingesetzt? Wollen sie das? Und wenn sie es müssen, wann wird diese Frage geklärt? Schon bei der Rekrutierung? Und dann, wenn sie den Beruf wechseln? Und wie viele der Berufsleute, die nicht in die Armee einberufen werden können, haben einen Schweizer Pass, wie viele haben eine geprüfte Sicherheitsüberprüfung und wie viele sind einfach einsatzfähig? Und die Zivilisten? Wieder nicht einfach!

Der Krieg in der Ukraine hat zwar gezeigt, dass sich eine gewaltige Solidaritätsbewegung gegen einen Aggressor erheben kann. Aber es löst ein drittes Problem aus, nämlich den Kombattantenstatus all dieser Menschen und der beteiligten Infrastrukturen. Sie werden im Einsatz für die militärische Verteidigung zu legitimen Kriegszielen des Feindes. Und für diejenigen, die zu Cyberkämpfern werden, hat das IKRK bereits auf die Schwierigkeiten hingewiesen und Regeln vorgeschlagen, die es zu beachten gilt. Auch nicht einfach.

Hat der Gesetzentwurf diese Reibungspunkte berücksichtigt? Die Wirtschaft wird Einwände erheben, wenn sie die Folgen dieser Absicht begreift. Denn wie sollen sie dann das Land am Laufen halten? Nicht einfach. Ein detailliertes Konzept und eine systemische Analyse sind erforderlich.

BOOKS & REPORTS

Hier die Liste der Bücher und Publikationen von Interesse, die wir bei unseren Recherchen in den letzten zwei Wochen entdeckt haben. Und auf dVPedia ist jetzt die Rubrik dVLibrary verfügbar, in der bereits 100 Titel mit Referenzen und einer Zusammenfassung zu finden sind.

Wichtige Nachrichten der letzten Wochen

Soziale Netzwerke und Politik – Es ist eine übliche Übung im US-Kongress, die in Europa meistens unbemerkt bleibt: Die Tech-Barone werden vor einen Senatsausschuss geladen, um sie öffentlich zu rädern. Das scheint ein beliebter Sport für einige US-Politiker zu sein. Wir von digiVolution hinterfragen regelmässig das Unternehmen von Herrn Zuckerberg, aber wir können uns nicht mit der Art und Weise zufriedengeben, wie er zu einem öffentlichen Akt der Reue gedrängt wurde, als er und seine Kollegschaft unter anderem beschuldigt wurden, «Blut an den Händen» zu haben. Es ist unbestreitbar, dass die Tech-Giganten Verantwortungen tragen, aber es hat auch 15 Jahre gedauert, bis die Politiker begonnen haben, sich mit den Problemen zu befassen. Viele davon waren bisher eher bereit, Zensur und Hexenjagd zu schreien, wenn soziale Netzwerke versuchten, die Aufrufe zum Rassenhass durch die Fans ihrer Champions zu begrenzen. Angesichts der KI stehen ähnliche Fragen auf der Tagesordnung und es ist zu hoffen, dass die Lösungen schneller kommen und konkrete Taten folgen werden.

►  No Power… – Wir haben es oft in unseren Beiträgen erwähnt: Ohne Energie kein Cyber. Dieses Thema ist auf wundersame Weise aus den Diskussionen verschwunden, da die Winter bislang die Prognosen von Bundesrat Parmelin für 2022 widerlegen. Hatte er Unrecht? Wahrscheinlich nicht, und das Problem ist noch lange nicht gelöst, denn selbst wenn die «Stop Blackout»-Initiative vom Volk angenommen wird, werden die spürbaren Auswirkungen erst in vielen Jahren messbar sein und sicherlich zu spät. In der Zwischenzeit steigt der Elektrizitätsverbrauch und drei Faktoren sind zu berücksichtigen:  die fast vollständige chinesische Dominanz über seltene Erden und viele andere strategische Metalle, die für die Herstellung fast aller High-Tech-Güter, die in der Stromerzeugung verwendet werden, unerlässlich sind;  die wachsende Gefahr, dass China die Kontrolle über Taiwan gewaltsam übernimmt und dies zu einer Unterbrechung der Halbleiterproduktion führt, die für unser Leben und die Energieregulierung von zentraler Bedeutung ist;  das unaufhaltsame Verschwinden der europäischen Produktion von Solarzellen unter dem Druck der chinesischen Industrie, die mit staatlichen Subventionen gedopt ist. Was wird von der Illusion der Souveränität in Europa übrigbleiben?   


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Digital Literacy Gap

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Liebe Leserinnen und Leser

Hier sind die dV-News 03-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links.

Das Bulletin of the Atomic Scientists bewertet jedes Jahr die Zeit, die die Menschheit von der ultimativen Katastrophe trennt. Die Organisation wurde 1945 von Albert Einstein und ehemaligen Mitgliedern des Manhattan-Projekts nach den Bombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki gegründet. Sie ist die Hüterin der symbolischen Uhr des Weltuntergangs, der Doomsday Clock, deren Zeit seit 1947 jeden Januar bekannt gegeben wird. Im Jahr 2023 zeigte das Bulletin 90 Sekunden vor Mitternacht an, die kürzeste je erreichte Frist.  Sie bleibt unverändert in 2024.

Für digiVolution ist diese «Uhr», die nukleare Risiken, Klimawandel, biologische Bedrohungen und disruptive Technologien in ihre Berechnungen einbezieht, aufgrund ihres systemischen Ansatzes besonders relevant. Fortsetzung folgt. Empfohlene Lektüre!

Die digitale Wissenslücke

Der Titel dieses Beitrags ist sehr klar. Eine Kluft tut sich auf. Die beiden Buchstaben K (Künstliche) und I (Intelligenz) sind der Trend der Zeit. Im Büro, in Davos, in der Kneipe oder in der Familie nicht darüber zu sprechen, ist ein Kriterium für soziale Ausgrenzung. «Was? Du weisst nicht was ChatGPT ist», würde Unwissenden für immer disqualifizieren! Und doch, wer versteht wirklich, was diese Technologien sind, die jede Minute unseres Lebens bestimmen und begleiten, wo sie herkommen, was sie bewirken oder nicht, welche Verantwortung und welche Rechte wir haben? Eine winzige Minderheit. Viele prahlen und reden laut, aber in der Praxis herrscht Unwissenheit über die digitale Realität. Welches Thema wird in 2025 trendy sein?

Warum wird Digitalisierung nicht als Schlüsselqualifikation wie Lesen, Schreiben oder Rechnen betrachtet?  Warum braucht man einen Führerschein für ein Moped, das nur 40 km/h fährt, aber keinen für einen Computer, der Zugang zu unseren intimsten Daten und unserem Bankkonto bietet? Warum wird von jedem Unternehmer verlangt, dass er die Grundlagen des Finanz- und Personalmanagements beherrscht, aber nicht die Digitalisierung, obwohl eine Cyberpanne zum Bankrott führen kann? Warum gibt es kein digitales Äquivalent zur Helmpflicht beim Motorradfahren oder zum Sicherheitsgurt im Auto? Erst seit 2023 hat Nachlässigkeit im Umgang mit Daten in einigen Bereichen zaghaft strafrechtliche Konsequenzen nach sich in der Schweiz gezogen und Identitätsdiebstahl wird endlich als Straftat angesehen?

Die Rolle als Chef, Elternteil oder einfacher Bürger in einer Gesellschaft, die sich in der digitalen Mutation befindet, stellt neue Anforderungen an die Fähigkeiten der Menschen. Die überwältigende Mehrheit der Schweizer ist jedoch ein uninformierter Konsument, der von Dienstleistungs- und Hardwareanbietern (oft auch von Verkäufern mit beschränkten Kompetenzen) mit einer Flut von allgemeinen und technischen Geschäftsbedingungen erschlagen wird, die nur wenige lesen und noch weniger verstehen. Wen schützen diese Bestimmungen, die eine Zustimmung zur Verwendung unserer Daten erfordern, wirklich und wovor schützen sie? Und das ist nur ein Auszug der Fragen, die wir beantworten sollten. Denn worauf gründen wir letztendlich das Vertrauen, die Resilienz und die Souveränität jeder Einrichtung, vom Einzelnen über den Unternehmen bis hin zum Staat?

Ist das Gesellschaftsmodell, in dem wir aufgewachsen sind und uns zu befinden glauben, nicht von den technologischen Neuerungen, die wir nicht (genügend) beherrschen, und den Interessen einer Handvoll Unternehmen weitgehend überholt? Wird das gesellschaftliche Risiko angemessen berücksichtigt?

Für digiVolution erfordert diese Realität eine bedeutende Anstrengung zur Ausbildung der Bevölkerung. Es geht nicht nur darum, Tablets an Schulen zu verteilen und die Kinder ein paar Zeilen Code schreiben zu lassen (ChatGPT tut dies…). Digitale Kompetenz muss erreicht und ständig weiterentwickelt werden, auf allen Führungs- und Altersstufen. Komplex und anspruchsvoll? Ja, aber zwingend, denn diejenigen, die das Potenzial der KI verstanden haben und nutzen, erweitern den Abstand immer mehr.

BOOKS & REPORTS

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Wichtige Nachrichten der letzten Wochen

Das nDSG erhält EU-Gleichwertigkeitsbescheid – Die Spannung hat ein Ende. Die EU stellt in ihrem Bericht vom 15. Januar 2024 fest, dass das Schweizer Datenschutzrecht den europäischen Standards entspricht. Persönliche Daten können also weiterhin aus der EU und dem EWR in die Schweiz fliessen, ohne zusätzliche Garantien. Am 26. Januar fand jedoch an der Universität Lausanne eine Konferenz zum Thema «Datenschutz und Verwundbarkeit» statt, bei der ein Mitarbeiter des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten den folgenden Satz sagte, der von Le Temps zitiert wurde:

Die Schweiz hat mit dem nDSG Fortschritte gemacht, aber wir sollten uns nicht täuschen, denn ein Gesetz schützt nichts; es legt den Rahmen fest und ist nur ein Schritt.

Jeder muss seinen Teil zu einem komplexen Umfeld beitragen, am Beispiel von Microsoft, das erklärt – und das ist sehr gut –, Daten nur auf europäischem Territorium zu speichern, während es wegen der 772 Partner, mit denen es Benutzerdaten austauscht, in die Kritik gerät. Die Aussage des EDÖB-Mitarbeiters ist umso verständlicher, als in naher Zukunft die KI-Richtlinien, die sich in der Endphase ihrer Ausarbeitung befinden, in das Ökosystem einfliessen werden.

Schweizer Mittel für Cybersicherheit – Die Veröffentlichung der politischen Agenda des Bundesrates für die Legislaturperiode 2023 bis 2027 gibt einen kleinen Aufschluss über die Mittel, die im Bereich der Cybersicherheit beim Bund eingesetzt werden (Budget, Seiten 307 und 329). Was wir bereits berichtet hatten, hat sich bestätigt: das NCSC ist zwar ein Bundesamt geworden, aber mit einem Budget von 14,5 Mio. CHF im Jahr 2025 (davon 11,7 Mio. CHF für das Personal) und 14,8 Mio. CHF für die folgenden Jahre, sind keine Wunder zu erwarten. Alle Statistiken zeigen eine Verdoppelung der Schäden durch Cyberkriminalität bis 2028, eine Explosion der Fälle dank der KI, eine Verschlechterung der geopolitischen Lage, aber in Bern… bleibt es auf «courant normal» während das BACS mit erheblichen Mitteln ausgestattet werden sollte.  Was das Cyber-Kommando der Armee und die Fähigkeiten des SEPOS zugunsten der Bundesverwaltung betrifft, müssen zuerst die tatsächlichen Auswirkungen der Ankündigung von Ende November 2023 gemessen werden.

Wie resilient ist eine Gesellschaft ohne Internet? – Die Meinungen über die Widerstandsfähigkeit des Internets gehen auseinander, aber die Möglichkeit eines grossen Ausfalls (z. B. durch einen Sonnensturm) darf nicht ausgeschlossen werden. Eine geringe Eintretenswahrscheinlichkeit kann nicht als Argument dafür dienen, diesen Fall auszuschliessen.  Aber was wäre in unserer hypervernetzten Gesellschaft ohne das Internet noch funktional? Solange Ghernaoutis Buch «OFF» hat auf brillante Weise gezeigt, was passieren würde, und drei aktuelle Entwicklungen werden zum Nachdenken anregen: In Pakistan scheint es während des Wahlprozesses zu bequemen Unterbrechungen des Internets zu kommen; ja, das Internet ist vom politischen Willen abhängig. Russland hat von der Enklave Kaliningrad aus GPS-Signale gestört [Karte] – eine Aktion, die zeigt, wie anfällig diese Weltrauminfrastruktur ist, die für die Versorgung entlegener Gebiete von entscheidender Bedeutung ist. Und zwei Berichte dazu: «10 vor 10» und ZDF.

Minority Report – Genial für die einen, erschreckend für die anderen… KI wurde eingesetzt, um allgemeine Vorhersagen über die Details und den Verlauf des Lebens von Menschen zu machen, wie z. B. in Bezug auf Tod, internationale Umzüge und Persönlichkeitsmerkmale. Die Studie ergab, dass das neue Modell bei der Vorhersage der Sterblichkeit in der untersuchten Population über einen Zeitraum von vier Jahren zu mehr als 78 % genau war und andere Methoden erheblich übertraf. Müssen wir uns mit den vielen Anwendungsfälle beschäftigen, in denen unsere persönlichen Daten und solche Vorhersagen verwendet werden? Ein gutes Mittel, um den Menschen den Wert ihrer Daten zu verdeutlichen. Wenn sie nicht schon alles verraten haben…!


Wir möchten Sie gerne weiter dazu einladen, dVPedia Pro zu abonnieren und damit ihre Entwicklung zum Nutzen aller zu unterstützen, ganz im Sinne der Mission von digiVolution. Und wie bereits erwähnt, ist ein neuer Dienst verfügbar: dVLibrary.

Danke auch für die Unterstützung unserer Arbeit zur Förderung der Sicherheit, Resilienz und Souveränität der Schweiz.

Wir wünschen Ihnen viele lehrreiche Entdeckungen bei den ausgewählten Artikeln und Links und sehen uns in zwei Wochen wieder.

dVCyberGroup is born

dVCyberGroup is born 3936 2494 digiVolution

Hier sind die dV-News 02-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links, und die Freude, eine Geburt zu verkünden.

digiVolution hat es sich zur Aufgabe gemacht, die digitale Mutation und ihre Herausforderungen zu beobachten, zu verstehen, vor allem aus dem Blickwinkel der Sicherheit, und dieses Wissen an Entscheidungsträger weiterzugeben. Kurz nach dem Start wurde klar, dass digiVolution auch konkrete Projekte durchführen musste und schliesslich einen eigenen operativen Arm benötigte. So wurde im August 2023 die dVCyberGroup AG mit einem Namen und einem Motto gegründet, die keinen Zweifel an den Zielen und dem Ideal lassen, das verfolgt wird.

Weitere Informationen finden Sie ab nächste Woche auf der Internetseite unter https://dvcybergroup.ch. Die dVCyberGroup brauchte dann einen Chef und wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Herr Haris Stucki  seit dem 1. Januar 2024 die Leitung übernommen hat.

Während die Stiftung digiVolution neues Wissen und neue Ideen zur Bewältigung der Herausforderungen der digitalen Mutation entwickelt, wird die dVCyberGroup Leistungen auf strategischer Ebene in den Bereichen Beratung, operative Unterstützung und Ausbildung erbringen. Dieses Tandem aus Think Tank und Do Tank wird alle Hände voll zu tun haben, um den Entscheidungsträgern solide Grundlagen zu bieten.

Und was könnte schwieriger sein, wenn man an die Unwägbarkeiten der KI denkt? In der grössten Umfrage dieser Art wurden 2’778 Forscher, die in KI-Zeitschriften veröffentlichten, nach ihren Prognosen über das Tempo des KI-Fortschritts und dessen Auswirkungen befragt.

50% erwarten bereits bis 2028 sehr bedeutende Fortschritte. Bei gleichbleibendem Tempo halten es 10 % für wahrscheinlich, dass autonome Maschinen den Menschen bis 2027 in allen möglichen Aufgaben übertreffen werden. 50 % bis 2047, 13 Jahre früher als bei der letzten Umfrage im Jahr 2022. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle menschlichen Berufe vollständig automatisierbar werden, wird auf 10 % im Jahr 2037 und 50 % im Jahr 2116 geschätzt. 68,3 % der Befragten glauben, dass eine «übermenschliche» KI eher gute als schlechte Ergebnisse liefern wird.

In einer eher dystopischen Perspektive schätzten aber 38% bis 51% der Befragten die Wahrscheinlichkeit, dass die KI zum Aussterben der Menschheit führen wird, auf mindestens 10%. Mehr als die Hälfte der Befragten äusserte «grosse» oder «extreme» Bedenken in sechs Szenarien, darunter Desinformation, autoritäre Kontrolle und Ungleichheit.

Kurz gesagt, das Vorsorgeprinzip wird in den nächsten Jahren bei allen unseren KI-bezogenen Fortschritten zum Tragen kommen müssen. In der Hoffnung, dass alle nach den gleichen Regeln spielen.

BOOKS & REPORTS

Hier die Liste der Bücher und Publikationen von Interesse, die wir bei unseren Recherchen in den letzten zwei Wochen entdeckt haben. Die neue Rubrik dVLibrary wird in Kürze den Abonnenten von dVPedia Pro zur Verfügung stehen.

Wichtige Nachrichten der letzten Wochen

Schweizer Luftwaffe (LW) indirekt von Cyberattacke betroffen – Die Angriffe auf Xplain und Concevis im Jahr 2023 zeigten, welche Folgen ein Angriff auf die Lieferkette haben kann. Mit dem Angriff der kriminellen Gruppe Alphv auf die amerikanische Firma Ultra Intelligence & Communications ist diesmal unsere LW betroffen und es wird die Ergebnisse der Analysen abwarten müssen, um den wahren Ernst der Lage zu ermessen. Die Frage, die in aller Munde ist, lautet: «Wie kann man Informationen entlang einer heterogenen Lieferkette dauerhaft sichern?». Und die Frage, die niemand stellen will, lautet: «Und wie kann man die Vergangenheit korrigieren?», denn diese Beispiele sind nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. Sind wir also dazu verurteilt, einen Fall nach dem anderen zu ertragen? Die US-Behörden gaben bekannt, dass sie diese kriminelle Gruppe neutralisiert hatten… und diese kam einige Tage später zurück und schwor, dass sie von nun an auf alles schiessen würden, was sich bewegt, einschliesslich Spitäler. Frohes Neues Jahr!

WEF Global Risks Report 2023 – Weinliebhaber warten auf den Beaujolais Nouveau. Jedes Jahr im Januar warten die Sicherheitsexperten auf die neueste Global Risks Perception Survey (GRPS). Wir haben einen Satz herausgegriffen, der alles sagt: «Die schnelle Entwicklung und Einführung neuer Technologien, oft nur begleitet von begrenzten Protokollen zur Regelung ihres Benutzers, bringt ihre eigene Risiken mit sich. Die zunehmende Verflechtung von Technologien mit dem grundlegenden Funktionieren von Gesellschaften setzt die Bevölkerung direkten inneren Bedrohungen aus, einschliesslich solcher, die versuchen, das Funktionieren der Gesellschaft zu stören. Parallel zur Zunahme der Cyberkriminalität werden Versuche, kritische Ressourcen und Dienste, die auf Technologien basieren, zu stören, häufiger werden, mit erwarteten Angriffen auf Landwirtschaft und Wasser, Finanzsysteme, öffentliche Sicherheit, Transport, Energie und nationale, Weltraum- und Unterwasser-Kommunikationsinfrastrukturen».

Der WEF Global Cybersecurity Outlook 2023 zeigt im Vergleich zu seiner letzten Ausgabe erhebliche Fortschritte bei der Zusammen-arbeit zwischen den Führungskräften der befragten Unternehmen und ihren Cybersicherheitsbeauftragten. Er zeigt jedoch auch, dass noch viel geleistet werden muss, damit sie einander verstehen, das Risiko, das Cyberprobleme für ihr Unternehmen darstellen, klar ausdrücken und dieses Risiko in effektive Management- und Reduktions-massnahmen umsetzen. Er weist auch darauf hin, dass den Organisationen nicht genügend Zeit bleibt, um in einer immer komplexer werdenden digitalen Landschaft eine langfristige, systemische Cyberresilienz zu entwickeln. Er betont die Priorität, die der Antizipation gegenüber der Reaktion und dem strategischen Ansatz gegenüber der taktischen Verteidigung eingeräumt werden sollte. Das sind genau die Botschaften, die wir bei digiVolution vermitteln. Sind die Schweizer KMU (95% unserer Unternehmen) mehr oder weniger tugendhaft als diejenigen, die den Autoren dieses Berichts geantwortet haben?

Global Cybersecurity Outlook 2023 – Chapter 1

Die grossen Ohren der Schweiz? – Der Artikel in Republik (der erste einer dreier Serie) prangert einen Schnüffelstaat an, der keines seiner Versprechen gehalten habe, mit dem 2015 verabschiedeten Nachrichtendienstgesetz keine Massenüberwachung zu betreiben. Der Vorwurf an die Männer und Frauen, die täglich versuchen, kriminelle und terroristische Handlungen, die gegen die Schweiz – und auch innerhalb der Schweiz – gerichtet sind, zu verhindern, ist schmerzhaft zu hören. Dasselbe gilt für die Rhetorik dieses Artikels und derer, die ihm einseitig gefolgt sind und die ständig von «Geheimdiensten» sprechen und damit deren angeblich bösartige Seite andeuten. Und was ist mit dem kaum verhüllten Vorwurf, dass unsere Dienste, die in der seit 2017 geltenden Verordnung festgelegten Fristen für die Datenlöschung leichtfertig verletzen würden, und der damit auch das Personal der unabhängigen Aufsichtsbehörde und indirekt das Parlament ungerechtfertigt angreift. Ein wenig Objektivität und Respekt, bitte!

Wahlen in Taiwan – Trotz eines Trommelfeuers von Desinformationen, das auf sie gerichtet ist, haben sich die Taiwaner dem anhaltenden Druck Chinas nicht gebeugt und am Wochenende einen Präsidenten gewählt, der den chinesischen Forderungen nicht nachkommt. Bisher verlief alles weitgehend reibungslos. Waren die Taiwaner resilienter als erwartet? Wie ging es weiter? Die folgenden Analysen werden den Europäern und Amerikanern nützliche Denkanstösse für die Bewältigung ihres eigenen Wahljahres liefern. Dies ist besonders wichtig für die USA, deren Demokratie am 6. Januar 2021 stark beschädigt wurde. Ein langes Jahr liegt vor uns, in dem die DISARM Foundation einen ersten Beitrag zur Bekämpfung von Desinformation leisten könnte.

Verantwortung sozialer Netzwerke Vor einigen Monaten wiesen wir darauf hin, dass das Verhalten einiger Anbieter problematisch ist. Es gab die Einmischung von Starlink in den Krieg in der Ukraine, die von Facebook in die Waldbrände in Kanada und die vielen Wendungen von Herrn Altman von OpenAI. Ein neuer Fall betrifft X. Im Zusammenhang mit dem Erdbeben in Japan konnten die Behörden die Warnung nicht weiterleiten, da sie die Menge der erlaubten kostenlosen Messages überschritten hatten. Die japanischen Dienste waren nicht als öffentlicher Dienst registriert! Wie viele Menschen wurden wegen einer dummen Abonnement-Affäre gefährdet? Die Abhängigkeit der Gesellschaft von Diensten, die ihre Regeln ständig ändern und sich nicht um ihre soziale Verantwortung kümmern, ist mit der öffentlichen Sicherheit unvereinbar. Empfehlung an alle Entscheidungsträger: Bevor Sie Ihr und unser Schicksal jemandem anvertrauen, stellen Sie sicher, dass Sie im Falle eines Vorfalles nicht die Souveränität über Ihre lebenswichtigen Funktionen verlieren.

Lassen Sie uns eine Tradition bei digiVolution vorwegnehmen, die Bekanntgabe der Doomsday Clock. Sie wird am 23. Januar stattfinden und Sie können sie über diesen Link live verfolgen.


Wir möchten Sie gerne weiter dazu einladen, dVPedia Pro zu abonnieren und damit ihre Entwicklung zum Nutzen aller zu unterstützen, ganz im Sinne der Mission von digiVolution.

Danke auch für die Unterstützung unserer Arbeit zur Förderung der Sicherheit, Resilienz und Souveränität der Schweiz.

Wir wünschen Ihnen viele lehrreiche Entdeckungen bei den ausgewählten Artikeln und Links und sehen uns in zwei Wochen wieder.

Horizon 24

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Liebe Leserinnen und Leser

Hier sind die dV-News 01-2024 und eine Auswahl an Artikeln und Links, mit den besten Wünschen des digiVolution-Teams.

Wird 2024 besser als das letzte Jahr? Die Ereignisse, die 2023 prägten und weit davon entfernt sind, Geschichte zu sein, stimmen eher pessimistisch. Es wird daher wichtiger denn je sein, nicht aufzugeben und gemeinsam zu handeln. In einem Land, in dem Solidarität und Milizgeist nicht nur leere Worte sind, wird die Verteidigung in der Tiefe unser grösster Trumpf sein. Wir wünschen unserem neuen Bundesamt und Vorreiter in Sachen Cybersicherheit sowie dessen Direktor, Florian Schütz, viel Erfolg.

Für digiVolution beginnt das Jahr mit einem Paukenschlag und wir laden Sie herzlich ein, am 18. Januar ab 14:00 Uhr in Delémont an der ersten von 10 Veranstaltungen des Swiss CyberHub 2024 teilzunehmen.

 


Horizon 24

Versuchen wir nun uns vorzustellen, was die nächsten zwölf Monate in Bezug auf die digitale Mutation und ihre Risiken bringen werden. Folgt nun auch digiVolution dem Trend, zu Beginn eines jeden Jahres in die Kristallkugel zu blicken? Keineswegs. Unsere Leser wissen, dass Antizipation in unserer DNA liegt. Den Blick auf die Zukunft zu richten, um sich darauf vorzubereiten und aus dem reaktiven Modus herauszukommen, ist eine unserer wichtigsten Ziele und wir haben unseren Blick auf 2024 in drei Kapiteln strukturiert.

  • Technologische Beschleunigung – Der Wettlauf um KI und Quantum [der NIST-Standard für Quantum-resistente Kryptographie wird im April veröffentlicht] wird nicht nachlassen. Das machtpolitisch und finanzielle Potential ist zu gross. Zwei Fraktionen werden sich weiterhin gegenüberstehen: die Ultraliberalen, die keine Regulierung wollen, und diejenigen, die nur Katastrophen sehen und am liebsten alles verbieten würden. Niemand wird die KI stoppen und daher empfiehlt digiVolution, das Vorsorgeprinzip in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen, da die Risiken alles andere als vernachlässigbar sind. Es wäre unverantwortlich, sie aus kurzfristigen finanziellen Erwägungen zu ignorieren. KI ist zwar immer präsenter und Early Adopters kündigen erhebliche Produktivitätssteigerungen an, aber Vorsicht, nicht jeder ist in der Lage, sich anzupassen. Es besteht die Gefahr, dass eine «AI-Gap» den in vielen Teilen der Gesellschaft grassierenden elektronischen Illettrismus verstärkt. Es reicht nicht, sich mit ChatGPT hinzusetzen und zu sagen: «Zeichne mir ein Schaf». KI ist ein Werkzeug, das gezähmt werden muss. Und wer wird Führungskräften beibringen, wie sie ihre Teams in einer KI-dominierten Umgebung führen sollen? Die explosionsartige Zunahme der Nutzung von KI wird daher unregelmässig sein.Rückt die allgemeine KI näher? Indizien, die auf die aktuelle OpenAI-Saga oder auf die jüngsten Fortschritte im neuromorphischen Computing zurückzuführen sind, deuten darauf hin. Andere behaupten das genaue Gegenteil, bleiben aber ausweichend. Wer weiss es wirklich? Wie auch immer die tatsächlichen Fristen aussehen, die Konsequenzen sind so gross, dass die Politik sich unbedingt rasch damit befassen muss. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Gesellschaft erneut von den technologischen Entwicklungen überholt wird. Es ist unvermeidlich, dass die allgemeine KI in unserem Leben allgegenwärtig sein wird.
  • Demokratie in Gefahr – Desinformation wird zunehmen, da ihr immer noch viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Mit den europäischen Parlamentswahlen im Juni und der Präsidentschaftswahl in den USA im November, die bereits täglich Schlagzeilen macht, wird 2024 ein entscheidendes Jahr für die Demokratie sein. Die Manipulation von Bild und Ton wird ein nie dagewesenes Ausmass annehmen. Die Versuche des Westens, die Wiederwahl von Putin zu stören, werden keine entscheidende Wirkung haben. Dagegen werden die Wahlen in den westlichen Demokratien und Taiwan, die weniger gegen Desinformation gewappnet sind, u.a. von russischen und chinesischen Manövern beeinflusst.  Während der gute Wille der westlichen Unterstützung schwindet, ist mit einer Intensivierung der Propagandaaktivitäten eines Russlands im Cyberraum zu rechnen, das sich viel besser hält als erwartet und sich bereits als Sieger sieht. Der Konflikt im Nahen Osten hat bereits Cyberauswirkungen, die auch in der Schweiz spürbar sind. Die Störungen des Schiffsverkehrs im Roten Meer, über das 12% des weltweiten Verkehrs abgewickelt werden, werden auch die Versorgung mit technologischen Gütern beeinträchtigen.

  • Fragilität der Gesellschaft – Im Jahr 2024 wird die Energiefrage wieder in den Mittelpunkt rücken. Man wird sich von der Illusion befreien müssen, dass die Kernkraft rechtzeitig eine Lösung für die wachsenden Probleme einer sich rasch elektrifizierenden Gesellschaft sein wird. Der europäische Kontinent ist anfällig für Störungen in seiner alternden Infrastruktur, insbesondere wenn die Maturität der Cybersicherheit nicht ausreichend ist, wie in der Schweiz. Und dabei sind die klimatischen Unwägbarkeiten, die durch menschliche Aktivitäten verursacht werden, nicht berücksichtigt. So können lebenswichtige Dienste jederzeit beeinträchtigt werden und die Stärkung der Resilienz der Schweiz, ihrer Antifragilität, ist zwingend erforderlich. Im Jahr 2024 muss die politische Behandlung von Themen im Zusammenhang mit Technologiefragen dem Tempo ihrer Entwicklung angepasst sein. Und um den wachsenden geopolitischen Spannungen zu begegnen, müssen die souveränen industriellen Sicherheits- und Verteidigungskapazitäten gestärkt werden.Seit den Olympischen Spielen 2012 in London werden die Cyberrisiken bei jeder Veranstaltung intensiver. Wir erinnern uns an die Eröffnung der Spiele in Seoul 2018, die durch einen Cyberangriff gestört wurde. Die Olympischen Spiele in Paris werden 2024 der ultimative Test für die Cybersicherheit sein. Es gibt bereits Beweise dafür, dass mehrere böswillige Akteure beabsichtigen, diese gigantische Veranstaltung zu stören: ein Budget von 7 Milliarden Euro, 4 Milliarden Fernsehzuschauer, 12 Millionen Zuschauer, 30’000 Freiwillige, 22’000 kurzfristig engagierte Sicherheitskräfte, 15’000 Soldaten, 25’000 Polizisten, 10’000 Athleten, 206 Nationen und 40 Wettkampfstätten. Für Organisatoren und Unternehmen (auch Schweizer) eine grosse Herausforderung, die ein Höchstmass an Vorbereitung erfordert.

    In einer nunmehr datengetriebenen Gesellschaft deutet alles darauf hin, dass die böswilligen Handlungen im Cyberraum weiter zunehmen und bis 2028 mehr als 10% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ausmachen werden. Dies erfordert eine wesentliche Stärkung der Fähigkeiten und Kompetenzen unseres neuen Bundesamtes für Cybersicherheit. Es wird jedoch nicht in der Lage sein, die gesamte Schweiz zu schützen, und 2024 soll das Jahr sein, in dem die Vision einer Cyberverteidigung in der Tiefe etabliert wird. Setzen wir die Worte von Präsident Kennedy um: «Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst». Das ist auch Teil der digitalen Souveränität, die wir dringend brauchen.

BOOKS & REPORTS

Hier die Liste der Bücher und Publikationen von Interesse, die wir bei unseren Recherchen in den letzten zwei Wochen entdeckt haben. Die neue Rubrik dVLibrary in Kürze den Abonnenten von dVPedia Pro zur Verfügung stehen.

Wichtige Nachrichten der letzten Wochen 

Wünschen wir dem Staatssekretär für Sicherheitspolitik viel Erfolg und vor allem viel Kraft, um die Lage im Bereich der Informationssicherheit zu ändern. Dies ist ein Bereich, über den sehr oft gesprochen wird, in dem jedoch viele konkretere Massnahmen erwartet werden, damit sich schwere Vorfälle wie Xplain und Concevis 2024 nicht wiederholen…!

Das Polycom-Kommunikationsnetzwerk hat das Ende seiner Lebensdauer erreicht. Der Bundesrat hat wichtige Schritte unternommen, um es bis zum Ende des Jahrzehnts zu ersetzen, damit auch die Blaulichtorganisationen nach den modernsten Standards kommunizieren können. Ein Schlüsselelement für die Resilienz des Landes und seine digitale Souveränität.

Die grossen Übungen sind zurück. Die integrierte Übung 2025 (IU 25) wird eine strategische Führungsübung (SFU) und eine Sicherheitsverbundsübung (SVU) kombinieren. Es ist zu hoffen, dass der Schutz kritischer Infrastrukturen, Cybersicherheit und die Bekämpfung von Desinformation auf dem Programm stehen werden. Die neue Gefahrenliste des BABS soll die Szenaristen dieser Übung inspirieren.

Lex Huawei? – Stellen Geräte von Lieferanten, die für die Sicherheit unseres Landes problematisch sind oder die sich im Besitz eines ausländischen Staates befinden, von ihm kontrolliert werden oder unter seinem Einfluss stehen, ein geopolitisches Risiko dar? Wenn die Antwort JA lautet, dann muss der Bundesrat die Möglichkeit haben, diese auszuschliessen. Dazu bedarf es eines Gesetzes. Laut dem Bericht sollte ein solches Gesetz die Schweiz davor bewahren, zu einer Sicherheitslücke inmitten eines Europas zu werden, das zunehmend Produkte aus China ausschliesst. Es bleibt abzuwarten, ob die Regierung den politischen Mut hat, gegenüber China NEIN zu sagen…!

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Unsere Beiträge haben Sie oft dazu eingeladen, über unsere kleinen irdischen Probleme hinaus in die Weite des Kosmos einzutauchen. Im Jahr 2029 werden wir etwas weniger weit blicken müssen, da der Asteroid Apophis – ein 340m grosses und 50 Millionen Tonnen schweres Baby – in nur 32’000 km Entfernung an unserem Planeten vorbeifliegen wird. Das ist weniger als die Entfernung der am weitesten entfernten Satelliten.  Ein Ereignis, das uns an unsere Fragilität erinnern muss, auch wenn dieser «Stein» noch weit von den Ausmassen des 12-km-Giganten entfernt ist, der vor 66 Millionen Jahren für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich war.

Wir möchten Sie gern weiter dazu einladen, dVPedia Pro zu abonnieren und damit die Entwicklung der Cybersuite zum Nutzen aller zu unterstützen, ganz im Sinne der Mission von digiVolution.

Und danke auch für die finanzielle Unterstützung unserer Arbeit zur Förderung der Sicherheit, Resilienz und Souveränität der Schweiz im Cyberraum.

Wir wünschen Ihnen viele lehrreiche Entdeckungen bei den ausgewählten Artikeln und Links und sehen uns in zwei Wochen wieder.

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